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"Im Ganzen bildet das Barfußgehen die Quintessenz jeder richtigen Huf- und Beinkoservierung
und wird später noch als wesentliches Glied der Heilmethode fast aller Hufübel Erwähnung finden ...
Mehrere erste Preise in Hindernisrennen habe ich auf barfüßigen Pferden davongetragen."
(Oberst Peter Spohr, aus "Bein und Hufleiden der Pferde", 1828-1921)




Rivaldo´s Huf-Entwicklung und die Barhufumstellung ist ab Februar 2009 dokumentiert und wird fortlaufend aktualisiert.
Alle Bilder lassen sich durch einen "Klick" vergrößern.

Rivaldo´s Füsschen sind eigentlich zu klein für die Masse an Pferd die oben drauf steht.
Warum? Ich denke, dieses ist zum einen Zuchtbedinngt (bei den Warmblütern besonders),
denn ebenso wie die Nachfrage nach filigranen Köpfen da ist,
will auch niemand "klobige", große Hufe an langen, schmalen Pferdebeinen sehen.
Zum anderen ist Rivaldo leider sehr früh (mit ca. 2 1/2 J.) rundum beschlagen worden,
was die Entwicklung und das natürliche Wachstum der Hufe blockiert bzw. fast gestoppt hat.
Wenn man weiss, dass die Hufe, mit ihren gesamten inneren Strukturen sich erst am Ende
des 5. Lebensjahres eines Pferdes voll entwickelt haben (bei manchen Rassen sogar noch später),
kann man sich vorstellen und ausmalen, was es für Auswirkungen und Folgen nach sich zieht,
wenn man einen Huf, mit einem Beschlag bereits im Wachstumsstadium die Durchblutung,
den so wichtigen Hufmechanismus und damit die Chance der natürlichen Entwicklung nimmt.
Den Hufmechanismus schränkt man mit einem Beschlag allerdings immer drastisch ein,
egal, welches Alter das Pferd hat.


„Ob der Hufbeschlag des Mittel ist, die Hufe gesund zu erhalten,
das ist eine Frage, die man füglich verneinen kann;
denn die Erfahrung hat gelehrt, dass, je länger das Beschlagen bei einem Pferd angewendet wird,
namentlich auch je früher die Tiere beschlagen werden,
ein um so nachteiligerer Einfluss auf die Hufe ausgeübt wird.“
(J.C. Groß, aus „Lehr- und Handbuch der Hufbeschlagskunst“,
Königliche Tierarzneischule zu Stuttgart, 1861)



links: beschlagen / rechts: barhuf - Bildquelle: Archiv Dr. med. vet. Hiltrud Strasser


Artikelempfehlungen hierzu:
Warum Barhuf? - Tina Gottwald
Gründe für Beschlag? - Tina Gottwald

Sind zusätzlich vielleicht noch die Haltungsbedinngungen nicht optimal
(nicht ausreichend natürliche Bewegung, weil z.B. "Aufstallung" zum "antrainieren")
und wir das Pferd (mit seinen Hufen) zudem zu früh ("stark") belastet,
sind Folgeschäden z.B. in Form von Hufrollen-Befunden oder Arthosen nicht verwunderlich.

Zu diesem beschriebenen "Lebenslauf" von Rivaldo sei gesagt,
dass dieser Weg bei "Sportpferden" alles andere als unnormal,
sondern absolut "gang und gäbe" und an der "Tagesordnung" ist.



Lahmheiten stehen an erster Stelle der Erkrankungen beim Pferd*,
90% dieser Lahmheiten haben dabei ihren Sitz im Huf**!

(* Richtlininien FN - Deutsche Reiterliche Vereinigung, 1991)
(** DVG - Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft e.V.; Vollbach 1954, Müller 1999)

- Schade! Ihre Hufeisen können Pferde nach der Arbeit leider nicht ausziehen!


Fundament HUF

Quelle Grafik

Alle 4 Hufe von Rivaldo zeigen Wandverbiegungen und mehr oder weniger deutliche Asymmetrien,
durch die ungleichmässige Druckverteilung und die unphysiologische Belastungssituation.
Teilweise sind hierdurch die Hufknorpel erhöhtem Druck ausgesetzt (vereinfacht: sie drücken sich am Kronrand nach oben),
welches bis zur richtigen Verknöcherung führen kann, würde man den Druck der hebelnden Wände nicht beseitigen
und dem Huf nicht wieder zu einer gesunden Balance verhelfen!
Rivaldo´s Vorderhufe weisen einen Trachenzwang durch den Beschlag auf,
wodurch der Strahlbereich (innerlich der Hufrollenkomplex) eine Quetschung erfährt (die Strähle dadruch bereits arthrophiert sind), nicht ihrer Tragefunktion nachkommen können und die dadurch bedinngte Enge und Minderdurchblutung Fäulinis und Bakterien einen idealen Nährboden bietet.
Externe Info´s Zwanghufe: DHG - Der Zwanghuf und Gesundehufe.com - Zwanghufe
Zudem schieben die Trachten grundsätzlich mehr und weniger unter und müssen aufgerichtet werden.

Eine detailierte Hufbefundung meinerseits ist !!! HIER !!!hinterlegt!

Seit Februar 2009 beschäftige ich mich nochmal mehr als zuvor intensivst mit dem Thema Hufe,
Anatomie, Physiognomie, Huflehren und (Huf-) Krankheiten, Haltung, freilebende Pferde
und ich stecke auch noch mitten drin in dieser Erfahrungs- und Entdeckungsreise ;o).
Dennoch konnte ich schon viel viel lernen und verstehen...

So habe ich z.B. begriffen, dass die Hufe eines Pferdes,
nicht nur das Spiegelbild seines Gesamtbefindens und des Gesundheitszustandes sind,
sondern vielmehr sogar Hauptverantwortlicher.
Welche Auffälligkeiten ein Pferd auch immer zeigt, ob im Verhalten (Training/reiten), ob im Blutbild (Stoffwechsel), muskuläre Verspannungen, Gelenksblockaden, röntgenologische Veränderungen oder Sehnenverletzungen etc. ....
ein geschulter Blick auf die Hufe in diesem Zusammenhang lohnt immer!

Letztlich baut das gesamte Pferd auf dem Fundament HUF auf.
Ist dieses Fundament von schlechter Form, Stabilität und Qualität,
kann man nicht erwarten, dass das restliche Pferd, sprich alles was über dem Huf liegt, ohne Probleme bleibt.
Dauerhafte Asymetrien, Wandverbiegungen oder fehlerhafte Stellungen wirken sich früher oder später,
immer negativ auf die Gelenke, Bänder, Sehnen und die Muskulatur des gesamten Pferdes aus.

„ Denn wie ein Haus wertlos und ohne Nutzen ist, wenn zwar die oberen Teile ganz schön gebaut sind,
aber nicht auf festen Baugrund stehen, so ist auch ein Kriegspferd zu nichts nütze,
wenn sonst alles an ihm gut und wohlgestaltet ist, die Füße dagegen schwach und hässlich.
Dann könnten nämlich alle seine übrigen Vorzüge auch nicht zur Geltung kommen.“
(Xenophon)


In meiner Schulzeit war ich zu keinem Zeitpunkt eine "Leuchte" in Fächern wie PHYSIK oder Mathe
und bei Themen wie Statik und Winkelberechnung habe ich lieber die Bäume vor dem Fenster betrachtet ;o),
und dennoch fällt es mir nicht schwer, zu verstehen, was z.B. mit einem Haus passiert,
welches auf ein schiefes, instabiles Fundament gebaut wird:
Wände bekommen Risse; es bildet sich Schimmel, weil Wasser eingedrungen ist oder sich von einem unterspülten Fundament nach oben gearbeitet hat; Fenster und Türen schließen nicht richtig;
der Fußboden senkt sich an mancher Stelle ab oder ganze Decken brechen ein.
Im schlimmsten Falle kracht das komplette Haus in sich zusammen.
Vielleicht steht aber auch anfangs nur das Rotweinglas auf dem (eigentlich geraden) Couchtisch ein wenig schief.
Durchaus kann man dann einen Bierdeckel falten und ihn unter das schwebende Tischbein schieben
und das Problem ist gelöst. Aber ist es das? Ist es nicht eher eine "Symptombekämpfung"?
Sehr ähnlich verhält es sich mit den Hufen unserer Pferde,
- unter welche nicht selten Eisen genagelt werden, um eben genau solche Disbalancen auszugleichen
und ein gesundes Fundament, also einen gesunden Huf zu suggerieren!
Kann der Huf, selbstverständlich auch der Barhuf, eine unphysiologische Durckverteilung und Belastungssituation
nicht mehr kompensieren, reißt oder verbiegt sich das Horn (die Hufkapsel) und es bilden sich Spalten,
lose/hohle Wände, Risse, Rillen, Furchen und/oder das Horn bricht weg.
Hufrehe ist in den seltensten Fällen ein reines Fütterungsproblem (ausgenommen Vergiftungen)!
Die Hauptursache ist in schlechten Hufzuständen zu suchen.
Fäulnis und Abzesse sind ebensolche Alarmzeichen eines kranken Hufes!
Werden derartige Zeichen übersehen oder ignoriert,
muss der restliche Pferdekörper die Fehlbelastung ausgleichen,
was er natürlich nur bis zu einem bestimmten Grad kann.
Zuerst kompensiert er die Disbalance mit Störungen/Veränderungen im Gangbild,
dann über die Muskulatur, welche verhärtet und sich nachteilig, meist asymetrisch umformt
und letztlich, wenn das Kompensationslimit erreicht ist, so zu sagen "das Faß voll ist",
müssen Knorpel, Sehnen, Bänder und alle übrigen Faszien ausgleichen, was "unten schief" ist.
Irgendwann, früher oder später, zeigen sich dann auch Schäden am Bewegungsapparat,
an den Knochen selbst, als Folge dessen.
Doch wer wundert sich denn heute noch über "Spat" oder andere Arthrosen bei Pferden,
die eigentlich im "besten" Alter sind?
Um die Jahre 1700 betrug das Durchschnittsalter eines arbeitenden Pferdes 17 Jahre.
Offizielle Zahlen der FN belegen, dass das Durchschnittsalter eines deutschen Sportpferdes bei 7 (!) Jahren liegt
(aus Branderup: Akademische Reitkunst).
Ein Großpferd kann eigentlich bis zu 40 Jahre alt werden, Ponys sogar bis zu 50 Jahre.
Das Durchschnittsalter ist weit abgesunken im Verhältnis zu früher
(behaupten wir nicht klüger und weiter zu sein, als die Menschen um 1700??)
und unsere Pferdchen sind im Alter, wenn sie dann doch mal die 20 oder gar 30 Jahre überschreiten,
alles andere als "fit". Aber auch daran sind wir gewöhnt.

Hufe - Lebensraum & Nutzung

Dieses hat ganz Gewiss nicht nur mit der Hufgesundheit zu tun,
sondern ist ebenfalls zurückzuführen auf unsere Form der Haltung (Boxen = Käfig),
die Art der Ernährung (viel Kraft- wenig Raufutter) und letztlich auch die Art und Weise der (Be-)Nutzung
(Stichworte: übersteigerte Leistung, "Rollkur", natürliche Schiefe).
Ein Pferd ist ein Flucht- und Lauftier und bewegt sich mit seiner Herde 23 Std. pro Tag, frei und an der frischen Luft.
Dabei nimmt es als ursprünglicher Steppenbewohner ständig kleine Mengen faserreichen Futters zu sich,
(der Pferdemagen produziert permanent Magensäure - egal ob wir Futter anbieten o. nicht,
Stichwort: Magenprobleme Artikel Dr. vet. med.Meyer)
dieses mit dem gesenkten Kopf, sprich es nimmt die Nahrung direkt vom Boden/in Bodenhöhe auf,
(Warum sind Tröge und Tränken nur alle auf menschlicher Hüfthöhe angebracht?)
welches relativ wenig Energie enthält, gerade im Vergleich zu unserem Kraftfutter oder dem heute üblichen
Hochleistungs - Wiesengras, mit massig Zucker und Fett.
Für den Hufmechanismus und die "Blutpumpen" im Huf ist diese Bewegung, auf unterschiedlichen Böden,
hart wie weich, enorm wichtig. Die inneren Strukturen (Knochen, Schleimbeutel, Faszien ect.) in den Hufen verkümmern oder bilden sich unzureichend aus, wenn das Pferd immer nur auf weicher Einstreu steht
und sich nur auf Sand-/Hallenboden oder der Wiese bewegt.
Auch die Form und Hufstellung werden durch den Bodengegendruck bestimmt.
Nur wenn die Hufe Impulse durch Abnutzung erhalten, können sie ihr Wachstum danach ausrichten!
Der Huf eines wildlebenden Pferdes kommt in der Natur nie mit Fett in Berühung -
Warum also pinseln wir die Hufe unserer Pferde mit Fetten oder Ölen ein?
Der Kontakt mit Wasser ist für die Hufe freilebender Pferde allerdings absolut natürlich und findet regelmässig statt,
denn die Pferde stehen meist mind. mit den Vorderbeinen, oft mit allen 4 Hufen im Wasser, wenn sie saufen.
Die Hufe und auch die Lungen frei lebender Pferde sind nicht den schädlichen Einflüssen ihrer Ausscheidungen ausgesetzt,
denn a) leben sie an der permanten frischen Luft und b) treten sie niemals mit ihren Hufen in ihren eigenen Kot oder Urin.

Die Hufe eines Pferdes sind immer auch ein Abbild der praktizierten Haltungsform.
Die Haltung von Pferden wird immer ein Kompromis für die Tiere bedeuten,
alles andere würde schlicht die Nutzung druch den Menschen unmöglich machen.
Dennoch sollten wir versuchen ihnen den Aufenthalt in menschlicher Obhut so angenehm,
sprich so ARTGERECHT wie möglich zu gestalten und unsere Dankbarkeit weniger in Leckerlies ausdrücken,
als in der Schaffung würdiger Lebensräume !!!
Tina Gottwald hat zu diesem Thema einen wunderbaren Text verfasst: Pro-Barhuf: Haltung und Fütterung
Einen weiteren tollen Text von Christiane Erhardt zum Thema Haltung findet ihr hier:
Vaquero Horsemanship: Artgerechte Haltung

Hufe - Natürliche Schiefe

Ebenso verdeutlichen und korrespondieren die Hufe mit der Händigkeit,
der natürliche Schiefe eines Pferdes, welche immer diagonal verläuft.

Bezogen auf Rivaldo und die Auswirkungen seiner natürlichen Schiefe auf seine Hufe -
also von oben nach unten betrachtet, bedeutet dies folgendes:
Er ist Rechtshänder, somit nach linkseitig schief.
Die linke Körperhälfte ist in der Bewegung die "Hohle", die rechte Körperhälfte die "steife" oder Tragende.
Vorne Rechts (VR) & Hinten Links (HL) sind Rivaldo´s tragende Beine und Hufe,
Vorne Links (VL) & Hinten Rechts (HR) seine "Bewegungs-Spiel-Beine".
Jetzt wo ich es ein Mal durchschaut und erkannt habe, ist es völlig logisch,
dass seine natürliche Schiefe Auswirkungen auf seine Hufe und umgekehrt haben muss.
Dadurch dass er sich und seinen gesamten Körper hauptsächlich auf VR abfängt,
erfährt dieser Huf eine entsprechende Mehr-Belastung, besonders natürlich im Trachenbereich.
Der Huf reagiert auf diese stärkere Belastung mit gesteigertem Abrieb und mit verstärktem Nachschieben von Hornmaterial, was erklärt, warum VR auch immer einen Ticken "schneller" in der Entwicklung ist, als VL.
Sicherlich trägt auch sein diagonales, also linkes Hinterbein, die andere tragende Säule dabei mit
und auch hier spiegelt die Hufform seine Händigkeit wieder.
Hier ist ebenfalls die Winkelung flacher, durch Überlastung der Trachten
und zudem die innere Wand stärker entwickelt, durch ihre tragende Funktion.
Doch im Hinblick auf die Vorderlastigkeit eines Pferdes,
sind die Auswirkungen auf die Hinterhufe natürlich entsprechend geringer, als auf die Vorderhufe.
Da Rivaldo´s "Bewegungs-Spielbeine" VL und HR sind, ist es auch nur logisch, dass die Zehen hier kürzer sind,
da alle Pferde in der Bewegung über die Zehe nach vorne abrollen.
Auch ist dieses diagonale Beinpaar, im besonderen vorne (links) entsprechend steiler in der Winkelung,
da die Trachten hier weniger Belastung erfahren und somit höher wachsen.
Am entsprechenden hinteren Spielbein, also rechts, kann man zudem erkennen,
dass die äussere Wand eine Mehr-Belastung, durch den "schiefen" Bewegungsablauf erfährt.
Aber auch von unten nach oben betrachtet, also andersherum,
sind die Auswirkungen seiner Hufe auf seine natürliche Schiefe logisch für mich nachvollziehbar.
Wenn sich Rivaldo´s Körper "überlegt" und "aussucht",
auf welchem Huf/Bein er sich am ehesten abfangen und auffangen könnte, dann ist das VR!
Dieser Huf (VR) ist von den beiden Vorderhufen der breitere, mit mehr Stabilität und minimal flacher
und es hat den Anschein, als "schubbse" ihn quasi der linke Vorderhuf in der Bewegung auf VR,
so dass er genau darauf "landen" muss.
Auch ist die Schulterpartie rechts ausgeprägter, also eher in der Lage mit einer Mehr-Belastung "klar zu kommen",
andersherum ist die Händigkeit genau der Grund, warum sie überhaupt erst stärker bemuskelt ist.
Ebenso gilt dieses für sein linkes Hinterbein:
Möchte er sich am Ohr mit dem Huf kratzen, dann wählt er das linke Hinterbein als Standbein,
da auch dieser Huf, durch seine Form mehr Stabilität verspricht
und zudem seine linke Kruppenmuskulatur deutlicher ausgebildet ist, als die Rechte.





Aus all diesen Erkenntnissen schließe ich für mich, dass ein sanftes, aber konsequentes Training
und eine ebensolche Hufbearbeitung, zur Auflösung dieser natürlichen Schiefe und Händigkeit,
sowie eine artgerechte Haltungsform für die Genesung und das Wohlbefinden von Rivaldo elementar sind.


Huf-Langzeit-Plan für Rivaldo


Quelle Grafik
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